Fußball · Geschichte
Das Derby an der Au: eine Geschichte in drei Kapiteln
Donaumark, 22. August 2026 · Katharina Pilz
Es gibt Spiele, die stehen im Kalender, bevor der Spielplan gedruckt ist. Das Duell zwischen dem SV Donaumark und dem FC Auwiesen gehört dazu. Seit 1974 treffen die beiden Klubs regelmäßig aufeinander, und bis heute erzählt man sich in den zwei Orten unterschiedliche Fassungen derselben Nachmittage.
Kapitel eins: der geteilte Platz
In den ersten Jahren teilten sich beide Vereine eine Anlage. Auwiesen hatte damals kein eigenes Spielfeld und trainierte dreimal wöchentlich an der Au, Donaumark stellte die Kabinen. Aus dieser Nähe entstand zuerst Zusammenarbeit und erst danach Rivalität – die Kabinentür, so erzählt man es sich, war jahrelang das eigentliche Spielfeld.
Das erste Pflichtspiel der beiden endete 1:1. Über den Ausgleich in der Nachspielzeit wird bis heute gestritten; im Spielbericht steht ein Eigentor, im Vereinsarchiv von Auwiesen ein regulärer Treffer. Die Redaktion hat beide Dokumente eingesehen und kann die Frage nicht klären.
Kapitel zwei: getrennte Ligen
Zwischen 1990 und 2012 spielten die Klubs in unterschiedlichen Bewerben. Auwiesen stieg zweimal auf und einmal ab, Donaumark blieb konstant im Mittelfeld einer anderen Gruppe. In diesen zweiundzwanzig Jahren gab es nur Freundschaftsspiele – meist im Jänner, meist auf tiefem Boden, immer mit vollem Nebenplatz.
„Wir haben in diesen Jahren nie aufgehört, den Spielplan des anderen zu lesen. Nur zugegeben hat es niemand.“
Franz Ortmayr, Ehrenobmann SV Donaumark
Bemerkenswert ist, was in dieser Zeit trotzdem gemeinsam entstand: eine Nachwuchsspielgemeinschaft, die 1998 gegründet wurde und bis heute besteht. Ein guter Teil der Spieler, die am Sonntag gegeneinander antreten, hat als Kind im selben Team gespielt.
Kapitel drei: die Rückkehr
Seit 2013 stehen beide wieder in derselben Liga. Von den letzten zwölf Begegnungen endeten fünf unentschieden, vier gingen an Auwiesen, drei an Donaumark. Das jüngste Duell im April endete 2:1 für Auwiesen, nach einem Treffer in der 88. Minute.
In dieser Saison steht der FC Auwiesen an der Tabellenspitze, der SV Donaumark auf Platz sechs. Aufeinander treffen die beiden allerdings erst in der elften Runde, dem letzten Spieltag des Grunddurchgangs. Bis dahin bleibt genügend Zeit für die vierzehnte Fassung der Geschichte.
Katharina Pilz begleitet die Donaumark-Regionalliga seit elf Jahren und führt die Ergebnisdatenbank der Redaktion.